Rekonstruktive Urologie
Bei einer Vielzahl der Erkrankungen, wie z.B. einer angeborenen Fehlbildung, einer Entzündung, Tumoren oder auch Strahlen- bzw. Operationsfolgen, kann es zu einer Einengung oder Verlust der Harnleiter, der Harnröhre oder des Nierenbeckenabganges kommen. Die Harnblase wird dadurch häufig in ihrer Speicherfunktion beeinträchtigt.
Um den ungehinderten Harnfluss und seine Speicherung wieder herzustellen, ist eine Rekonstruktion dieser Bereiche mittels Darm-, Mundschleimhaut oder Gewebeschwenklappen notwendig. Diese Eingriffe sind sehr aufwendig und werden in enger Zusammenarbeit mit der Unfallchirurgie, der Chirurgie bzw. der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie durchgeführt.
Im folgenden gehen wir näher auf die häufigsten Erkrankungen der rekonstruktiven Urologie ein:
Harnröhrenengen oder –strikturen (allgemein)
Unsere Abteilung hat eine langjährige Erfahrung im Bereich der rekonstruktiven Urologie. Jedes Jahr werden zahlreiche, zum Teil sehr komplexe Eingriffe durchgeführt, insbesondere bei Harnröhrenengen oder –strikturen. Diese werden nahezu ausschließlich beim Mann beobachtet und sind bei Frauen außerordentlich selten. Unbehandelt führen die Harnröhrenenge zu Harnstau, wiederkehrenden Entzündungen und im Extremfall zu einer Einschränkung der Nierenfunktion.
Erste Zeichen sind häufig
- ein abgeschwächter Harnstrahl
- häufiges Wasserlassen
-
immer wieder auftretende Blasenentzündungen
Sehr kurze Engstellen
Sehr kurze Engstellen lassen sich manchmal endoskopisch durch ein Aufdehnen (Bougieren) oder Schlitzen dauerhaft heilen. Bringt diese Therapieform nicht den gewünschten Erfolg oder handelt es sich um eine ausgeprägtere Enge, kommt eine offene Rekonstruktion über einen Schnitt in Frage. Bei kurzen Engstellen schneiden wir die Enge aus und stellen die Kontinuität der Harnröhre wieder her. Dieses ist der einzige Eingriff, der auch nach 10-15 Jahren noch zu dauerhaft guten Ergebnissen führt.
Längere oder mehrere Engstellen
Bei längeren oder mehreren Engstellen in der Harnröhre kommt in der Regel die Neubildung der Harnröhre mit Mundschleimhaut zum Einsatz. Auch diese ist mit guten Langzeitergebnissen verbunden. Bei Engen im Bereich der Harnröhrenöffnung oder des Penises ist das offen-chirurgische Vorgehen immer das Vorgehen der Wahl. In den meisten Fällen wird auch hier Mundschleimhaut als Harnröhrenersatz wegen ihrer guten Eigenschaften verwendet. Diese wird, je nach Länge, aus einer oder beiden Wangeninnenseiten entnommen. Selbst bei kleinen Kindern kann dieses Verfahren gut eingesetzt werden.
Hintere Harnröhrenstrikturen
Eine besondere Herausforderung in der rekonstruktiven Urologie stellt die Behandlung der hinteren Harnröhrenstrikturen dar. Hier wird individuell entschieden, welches operative Verfahren zur Anwendung kommt. Auch diese Behandlungen gehören zur Routine unserer Abteilung.
Folgen von Bestrahlungen, Operationen oder Verletzungen
Bei Harnleiterengen oder Defekten als Folge von Bestrahlungen, Operationen oder Verletzungen führen wir ebenfalls rekonstruktive Eingriffe verschiedener Art durch. Unser Spektrum beinhaltet neben der Rekonstruktion des Harnleiters mit Mundschleimhaut oder Dünndarm auch die Rekonstruktion der Scheide bei angeborenen Fehlbildungen oder anderen Funktionsstörungen der Scheide.
